Meditation im Maliau Basin

Ein Nashornvogel (Hornbill) auf Borneo

Ich sitze auf der Terrasse vor den Schlafsälen und lasse mir die Sonne auf die Schultern scheinen. Ich trage einen Hut, da die Sonne um 12 Uhr mittags eine ganz schöne Kraft hat. Ich schaue ins Grün, sehe tropische Regenwaldbäume, Farne, Büsche, Lianen.

Ab und zu kommt ein kleiner Käfer an mir vorbeigeflogen. Ich sehe einen Nashornvogel in einem nahegelegenen Baum. Töne gibt er zu dieser (heißen) Tageszeit nicht von sich. Er ist wahrscheinlich froh, dass er ein Schattenplätzchen gefunden hat.

Ich schließe für drei Minunten die Augen und höre …. Was höre ich eigentlich? Ich kann kein Tier beim korrekten Namen benennen. Ich höre den typischen Regenwald-Sound, so wie man ihn aus Dokumentationen kennt. Es sind vor allem Zikaden (nehme ich an), die diesen unvergleichlichen Zirpen-Ton herstellen. Unser Guide hat uns erzählt, dass dieser Ton entsteht, wenn die Zikaden die Hinterbeine aneinenader reiben. Ganz schön faszinierend. Ab der Dämmerung abends wird dieses Zikaden-Geräusch so laut, dass man sich tatsächlich lauter unterhalten muss. Man kann sich das wirklich nicht vorstellen, wenn man noch nicht im Dunkeln mittem im Regenwald stand.

Außerdem höre ich Vögel, und zwar sehr viele verschiedene. Einer der Vögel gibt einen so lauten und monotonen Ton von sich, dass ich meine ich hätte Tinitus. Andere Vögel wiederum singen regelrecht. Ich höre den Wind in den Blättern rauschen. Ich höre so etwas wie eine Biene an mir vorbeisummen…oder war es doch der Käfer von vorhin? Ich höre die Einheimischen, die in der Nähe auf einem kleinen Sportplatz Fußball spielen. Sie lachen. Ich höre sogar einen Gibbon, obwohl das um diese Tageszeit sehr ungewöhnlich ist. Wahrscheinlich wollte er seine Artgenossen auf etwas aufmerksam machen.

Ich öffne sanft die Augen.


Was ich in diesem Moment mitten im Regenwald in Borneo auf einer Terrasse unserer Lodge getan habe, ist auch eine Form der Meditation. Im Moment selbst war mir das gar nicht so bewusst. Ich fand es einfach spannend, mich mal rein auf die Geräuschkulisse des Regenwaldes einzulassen. Doch danach wurde mir bewusst, dass ich in diesem Moment voll und ganz im Hier und Jetzt war. Das ist ja das Ziel vom meditieren. Die Gedanken werden zur Ruhe gebracht und man kommt ganz im jetzigen Moment an. Ob man sich nun auf den Atem konzentriert oder die Umgebungsgeräusche oder die Gedanken beobachtet und weiterziehen lässt… All das ist eine Form der Meditation.

Ein riesiger tropischer Regenwaldbaum auf Borneo

Die Geräuschkulisse eines Regenwaldes ist für eine Achtsamkeitspraxis (genau das ist nämlich Meditation) natürlich wie geschaffen. Doch es ist nicht notwendig, für solch eine Art der Meditation an unglaublichen tollen Orten auf der Welt zu sein. Es geht zu Hause im Wohnzimmer, beim Spazierengehen, beim Kochen, beim Essen….viele Situationen sind geeignet, eine Achtsamkeitspraxis bzw. Meditation draus zu machen.

Es gibt dabei nur eine einzige wichtige Regel: Aktiv zu werden und aus dem Meditieren eine Praxis zu machen.

In diesem Sinne,

herz weich <3

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