Ein Reise-Video und graue Dickhäuter…

Ich sitze auf der Veranda und schaue direkt auf den Kinabatangan Fluss, der langsam am Haus vorbeizieht. Im Vorgarten am Ufer des Flusses stehen zwei Feigenbäume und mehrere Palmen. Ein Steg führt vom Vorgarten zu den drei Booten von Osman, die auf den kleinen Wellen des Flusses hin und her schaukeln. Eine Katze miaut hinter dem Haus, ich höre das Rascheln der Baumkronen, die leicht vom Wind bewegt werden. Die Vögel zwitschern in den Bäumen. Es ist ruhig, friedlich und idyllisch.

Diese Idylle ist vor dem Haus von Osman zu finden, der mit seiner Frau, seinen sechs Kindern und seinem Enkel in einem kleinen Häuschen direkt am Kinabatangan Fluss wohnt. Vier Tage bin ich zusammen mit meinem Freund Gast von Osman, der uns auf seinem Boot die Tierwelt hier am Kinabatangan Fluss zeigt. Osman weiß genau, wo welche Tiere zu finden sein könnten. Eine Garantie, bestimmte Tiere zu sehen, gibt es in der freien Natur natürlich trotzdem nicht. Und doch hat uns Osman so viele verschiedene Tierarten zeigen können, dass wir sehr beeindruckt waren. Vor über zehn Jahren hat Osman einem bekannten BBC-Foto- und Videografen tolle Aufnahmen ermöglicht.

Ich fang gleich mal mit meinem persönlichen Highlight an: Elefanten! Und zwar nicht ein Elefant oder zwei, nein. Es war gleich eine Herde von ca. 30 Tieren! (Und nein, ich habe mich nicht vertippt). Osman fuhr uns zu einem Ort, der ca. zwei Stunden mit dem Boot entfernt war, da er dort die Herde zum letzten Mal gesehen hatte. Nachdem er den Spuren der Elefanten am Ufer gefolgt ist, hat er sie tatsächlich am Ufer des Nebenflusses des Kinabatangan Flusses entdeckt. Ich war wirklich sprachlos. Da standen fünf Elefanten und zerkleinerten die Äste in deren Reichweite, um zu fressen. Zwei Tiere waren kleine Baby-Elefanten. Ich denke ich muss nicht beschreiben, wie süß das war. Worte würden hier sowieso nicht gerecht werden, deswegen lass ich das Foto hier für sich sprechen:

Die Elefanten-Herde am Kinabatangan Fluss in Borneo

Wir beobachteten die Elefanten eine Weile, als Osman sagte, dass die Tiere den Fluss überqueren wollen und das nur deswegen nicht machen können, da die Boote (mittlerweile waren es noch drei andere von anderen Lodges) ihnen den Weg versperrten. Deswegen platzierten die Bootsführer auf Osmans Aufforderung hin die Boote so, dass die Elefanten genügend Platz zum Überqueren des Flusses hatten. Es dauerte tatsächlich keine ganze Minute, da stapfte der erste Elefant ins Wasser und ich war erstaunt, dass der Nebenfluss tatsächlich so tief war, dass der Elefant für eine Sekunde komplett unter Wasser verschwand. Er drehte sich zu den anderen Elefanten am Flussufer um und wartete, bis diese sich auch in Bewegung setzten, ihm zu folgen. Nach und nach stiegen alle Elefanten, inklusive der beiden Baby-Elefanten, ins Wasser. Erst als alle im Wasser waren, setzte sich die Gruppe in Bewegung und schwamm zum anderen Flussufer. Es schauten grade so die Köpfe und Rüssel aus dem Wasser heraus. Das war echt witzig zu beobachten.

Was mich besonders berührt hat, war das Verhalten der Elefanten den Baby-Tieren gegenüber. Die Gruppe nahm die Jungtiere in deren Mitte, um diese (ich nehme an vor uns oder auch Krokodilen) zu schützen. Der Rüssel der Elefanten-Mama lag die ganze Zeit schützend auf dem Körper des Baby-Elefanten.

Am anderen Flussufer angekommen wurde die Szene noch rührender. Das Ufer war recht steil und so schob das Muttertier ihr Kleines mit ihrem Kopf zum Ufer hinauf. Die Szene zwischen Mutter und Tochter (dass das Kleine weiblich ist, wussten wir von Osman), die ergreifender wirklich nicht hätte sein können.

Der ruhige Blick eines Borneo-Elefanten…

Als es die erste Gruppe Elefanten zum anderen Flussufer geschafft hatte, setzten sich weitere Tiere in Bewegung und wir bermerkten erst jetzt, wie groß die Herde wirklich war. Es raschelte und stampfte im Wald und in den nächsten Minuten überquerte ein Dutzend weiterer Tiere den Fluss. Ich konnte meinen Augen kaum trauen. Ich wäre schon von einem einzigen Tier sehr beeindruckt gewesen, doch diese riesige Herde und vor allem ihr soziales Verhalten untereinander beobachten zu dürfen, war mehr als ich mir erträumt hatte. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar.

Die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen, war wirklich ein Geschenk. Die Tierfotos werde ich mir noch sehr oft ansehen (statt in den Zoo zu gehen…). Ein paar davon werden einen Ehrenplatz im Wohnzimmer erhalten. Dann kann ich mich jeden Tag an diese unglaubliche Erfahrung erinnern.

Sieh dir auch gerne das Reise-Video über Borneo an. Darin hat das Erlebnis mit den Elefanten auch einen großen Platz gefunden.

In diesem Sinne,

herzweich <3

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